Chronik

Die Entstehung des Gesangverein Eintracht Schlins Röns

Um 1819 wurden in Norddeutschland die ersten sogenannten Liedertafeln gegründet. Später schlossen sich in Süddeutschland und in der Schweiz sangesfreudige Männer zu Liederkränzen zusammen und in Schlins bildete sich ein sangeslustiges Doppelquartett, dessen Gründung wohl auf die Jahre 1852-1854 zurückgeht. Denn in diesen Jahren rief ein Schweizer namens Honegger, der erste Direktor der 1852 erbauten Schlinser Fabrik, den ersten Gesangsverein ins Leben, den er zunächst auch selbst leitete. Aus dieser kleinen Sängerschar von Schlinsern und Rönsern ging später der „Gesangsverein Eintracht“ hervor, der seine Tätigkeit 1863 offiziell aufnahm und im gleichen Jahr dem „Vorarlberger Sängerbund“ beitrat.
 
In Paragraf 1 der Vereinsstatuten heißt es: „Der Schlinser Gesangsverein Eintracht ist ein Verein zur Pflege und Ausbildung des mehrstimmigen Männergesanges für gesellige Unterhaltung und gemeinnützige Zwecke.“ Da sich der liberale Verein bewusst gegen den damals sehr konservativen Katholizismus positionierte, erfolgte die Fahnenweihe 1869 ohne kirchlichen Segen. Sie wurde aber dennoch mit einem großen Fahnenweihfest gebührend gefeiert, das die Vorarlberger Landeszeitung mit einem stimmungsvollen Artikel würdigte:

Das im Jagdbergischen einsam, aber anmutig gelegene, von waldbedeckten und an der Sonnenseite mit Weinreben bepflanzten Hügeln halbkreisförmig umgebene Dörfchen Schlins feierte gestern ein Fest, das der steten Erinnerung der Ortsbewohner und Festteilnehmer höchst würdig ist. Der neu konstituierte Gesangsverein von Schlins hat sich, unterstützt von edlen Wohltätern, eine weißseidene, goldgestickte Vereinsfahne mit Band gespendet, die gestern nach alter deutscher Sitte unter Gottes freiem Himmel durch
Gesang, Musik und manneswürdigen Reden die feierliche Weihe erhielt. Trotz ungünstigen Wetters in der verflossenen Woche und geringer Hoffnung für den Festtag, zog Alt und Jung in Wald und Hain, Grünes zu sammeln, um die Häuser zu schmücken und die Sänger zu bekränzen. Vom ersten Hause bis zur Halle wehten Fahnen von verschiedener Farbe und Größe.

Der erste Vereinsvorstand war Tischlermeister Alois Bernhard, die musikalisch ausgebildeten Lehrer an der Volksschule – Andreas Jussel, Franz Josef Huber, Franz Ludescher, Albert Mähr und Albert Matt – stellten über Jahrzehnte stets den ersten Chorleiter. Nach den auch in Schlins opferreichen Wirrungen des Ersten Weltkriegs kam es vereinzelt sogar zu gemeinsamen Auftritten von Männergesangsverein und Kirchenchor, etwa anlässlich der Glockenweihe 1922. Das Vorarlberger Volksblatt schrieb über dieses Ereignis:

Bei diesem Anlasse boten die Gemeinden Schlins und Röns alles auf, um dieses seltene Ereignis würdig zu gestalten. Die vier neuen Glocken waren bei der Kapelle in Frommengärsch auf drei Wagen bereit gestellt. Kundige Mädchenhände hatten Wagen und Glocken schön bekränzt. In festlichem Zuge wurden nun die Glocken vom Unterdorf zur Pfarrkirche im Oberdorf geführt. (...) Hierauf sangen der Kirchen- und Männerchor Beethovens ‚Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre‘ mit Begleitung der Musik. An die kirchliche Feier schloß sich im Kronengarten eine weltliche, die sich zu einem wahren Volksfeste gestaltete.

Die bis heute erhaltene Fahne, die den Sängern hundert Jahre vorangetragen wurde, ehe der Verein 1969 ein neues Banner erhielt, begleitete auch so manchen Sangesbruder auf seinem letzten Gang, darunter neun gefallene Sänger beider Weltkriege. Im Jahr 1964 wurde dem Verein, in Anerkennung der mehr als hundertjährigen Sängertätigkeit und als Dank an jene Sängergenerationen, die seit 1852 die Schlinserinnern und Schlinser mit ihrem Gesang erfreuten die „Rudolf-von-Ems-Medaille“ verliehen.

Schlins Oktober 2012
Mag. Dieter Petras
  
 
Anhängend unsere Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum das wir 2013 gefeiert haben:
 
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